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Gangschaltung einstellen

30.04.2019

Zahnkranzpaketeiner Kettenschaltung am Hinterrad
Gangschaltung einstellen: in welchen Fällen soll die Schaltung neu eingestellt werden?

 

Beim Fahrrad hat die Gangschaltung einen direkten Einfluss auf die Kraftübertragung von den Pedalen zum Hinterrad. Durch die Schaltung lässt sich die Übersetzung verändern. Steigungen lassen sich so leichter bewältigen und auf gerader Strecke mit vergleichsweise geringerem Kraftaufwand eine höhere Geschwindigkeit erzielen. Um von diesen Vorteilen zu profitieren, muss die Gangschaltung beim Fahrrad richtig eingestellt sein. Ist die Schaltung nicht optimal eingestellt, macht sie dem Radfahrer das Leben schwerer statt leichter. Wie sich beim Fahrrad die Gangschaltung einstellen lässt, erklärt unsere Anleitung.

 

In welchen Fällen Schaltung neu einstellen?

Bei einem neuen Fahrrad sollte die Gangschaltung optimal eingestellt sein. Doch im Laufe der Zeit kann es passieren, dass die Schaltung nicht mehr sauber arbeitet. Das gilt insbesondere für Kettenschaltungen. Wenn eine Schaltung beim Fahrrad nicht mehr sauber arbeitet, kann sich das auf unterschiedliche Weise äußern:

 

  • Beim Schalten springt die Kette nicht sauber von einem Kettenkranz auf den anderen. Das Schalten dauert spürbar länger, was an einem langanhaltenden, ratternden Schaltgeräusch deutlich zu hören ist.
  • Die Kette lässt sich nicht auf die äußersten Kettenkränze umlegen. Weder der kleinste noch der größte Kranz lassen sich erreichen.
  • Die Kette wird über den größten oder kleinsten Kettenkranz hinaus geworfen – die Kette springt ab.
  • Beim Schalten sind auffällig laute Geräusche zu hören.
  • Die Kette macht in bestimmten Schaltpositionen dauerhaft ein ratterndes, schleifendes Geräusch.

 

Tritt eines der genannten Symptome auf, sollte als erstes die Kettenschaltung überprüft und gegebenenfalls neu eingestellt werden. In jedem Fall sollte die Schaltung nach einem Sturz kontrolliert werden. Das gilt auch, wenn das Rad umfällt oder einer anderen mechanischen Belastung ausgesetzt ist. In solchen Fällen können die einzelnen Bestandteile der Schaltung verstellt oder beschädigt werden.

Nabenschaltungen müssen vor allem immer dann neu eingestellt werden, wenn das Hinterrad aus- und wieder eingebaut wurde.

 

Bestandteile einer Kettenschaltung

Eine Kettenschaltung ist mechanisch recht komplex und setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Je nach Anzahl der Gänge gibt es unterschiedlich viele Komponenten. In jedem Fall besteht eine Kettenschaltung aus folgenden Bestandteilen:

 

  • Zahnkranzpaket am Hinterrad – je nach Schaltung üblicherweise mit fünf bis zwölf Zahnkränzen.
  • Schaltwerk am Hinterrad.
  • Ein bis drei Kettenblättern an der Tretkurbel.
  • Bei mehr als einem Kettenblatt an der Tretkurbel gibt es neben dem Schaltwerk am Hinterrad auch einen Umwerfer für die Kettenblätter an der Kurbel.
  • Sowohl der Umwerfer als auch das Schaltwerk werden jeweils über einen Schalthebel am Lenker bedient, die über einen Bowdenzug miteinander verbunden sind.

 

Bestandteile einer Nabenschaltung

Der Vorteil einer Nabenschaltung gegenüber einer Kettenschaltung besteht darin, dass alle Bauteile in der Nabe verbaut sind. Sie ist dadurch sehr langlebig und vor allem wartungsarm. An der Nabe befindet sich eine Aufnahme für einen Bowdenzug zum Schalthebel am Lenker. Mehr sichtbare und zugängliche Bestandteile gibt es bei einer Nabenschaltung nicht.

 

Wie Schaltung einstellen?

Nabenschaltungen sind sehr wartungsarm und müssen daher nur selten eingestellt werden. Bei modernen Nabenschaltungen befindet sich an der Schaltung am Hinterrad eine zweigeteilte Markierungslinie. Beide Linien müssen in einer Flucht stehen. Ist das nicht der Fall, lässt sich über eine Stellschraube im Schalthebel am Lenker der Bowdenzug einstellen bis die beiden Markierungen wieder wie gewünscht in einer Flucht stehen.

Etwas aufwändiger ist das Einstellen einer Kettenschaltung. Hier müssen bei Bedarf sowohl das Schaltwerk und gegebenenfalls auch der Umwerfer kontrolliert und eingestellt werden. Um die Schaltung korrekt einzustellen ist etwas Fingerspitzengefühl notwendig. Manchmal muss auch mehrfach nachjustiert werden, bis die Schaltung wieder perfekt arbeitet.

 

Das Schaltwerk einstellen

 
  • Das Schaltwerk prüfen
    • Zuerst ist zu prüfen, ob das Schaltwerk in Ordnung ist. Dazu die Kette so schalten, dass sie auf dem kleinsten Zahnkranz und auf dem größten Kettenblatt liegt. Nun sollte der sogenannte Schaltwerkskäfig genau senkrecht unter dem Zahnkranz stehen. Das Schaltwerkskäfig ist der Teil des Schaltwerks, durch den die Fahrradkette über zwei kleine Ritzel läuft. Ist das Auge offensichtlich verbogen oder anderweitig beschädigt, muss es getauscht werden.
  • Den Schwenkbereich einstellen
    • Ist der Schaltwerkskäfig in Ordnung, wird im nächsten Schritt über zwei Stellschrauben am Schaltwerk der Schwenkbereich eingestellt. Sie sind in der Regel mit H(igh) und L(ow) gekennzeichnet. Liegt die Kette auf dem kleinsten Zahnkranz, müssen die beiden Schaltwerksrollen des Schaltwerkskäfigs exakt unter dem Zahnkranz stehen. Mit der H-Schraube lässt sich dies einstellen. Ebenso lässt sich mit der L-Schraube das Schaltwerk exakt unter den größten Zahnkranz positionieren. Dazu so schalten, dass die Kette über den größten Zahnkranz und das kleinste Kettenblatt läuft.                              
    • TIPP: Die Stellschrauben am Schaltwerk lassen sich mit einem herkömmlichen Kreuzschraubendreher bewegen. Dabei am besten immer in Vierteldrehungen vorgehen und immer wieder prüfen, ob die gewünschte Position erreicht ist.
  • Feinjustieren
    • Nachdem der Schwenkbereich für das Schaltwerk eingestellt ist, muss noch feinjustiert werden. Die Justierung erfolgt über die Spannung des Bowdenzugs. Die Zugspannung lässt sich einfach über eine Stellschraube am Schalthebel einstellen. Schaltet das Schaltwerk nur zögerlich oder gar nicht von einem Gang in den nächsten, ist die Zugspannung zu gering und muss erhöht werden. Wechselt die Schaltung zu schnell von einem Gang in den nächsten, muss die Spannung etwas reduziert werden.

 

Umwerfer einstellen

Ähnlich wie das Schaltwerk lässt sich auch der Umwerfer für die Kettenblätter einstellen. Voraussetzung ist hier, dass das Leitblech des Umwerfers exakt parallel zu den Kettenblättern steht. Das Vorgehen ist ähnlich wie beim Schaltwerk:

 

  • Umwerfer begrenzen
    • Auch beim Umwerfer gibt es zwei Schrauben, mit denen sich der Umwerfer bei Bedarf justieren lässt. Sie sind ebenfalls mit H und L gekennzeichnet. Mit der H-Schraube lässt sich der äußere Anschlag für das größte Kettenblatt einstellen. Die Kette läuft dabei über das größte Kettenblatt und das kleinste Ritzel. Mit der L-Schraube lässt sich der innere Anschlag für das kleinste Kettenblatt einstellen. Hierbei sollte die Kette über das kleinste Kettenblatt und das größte Ritzel laufen. Die Kette sollte nun in allen Positionen durch den Umwerfer laufen, ohne ihn zu berühren oder zu schleifen.
  • Feinjustierung
    • Nachdem die innere und äußere Begrenzung für den Umwerfer eingestellt sind, erfolgt ebenfalls wie beim Schaltwerk eine Feinjustierung über die Zugspannung, bis die Gänge sauber und präzise wechseln.

 

Was tun, wenn:

  • Die Kette schaltet nicht auf das größte Kettenblatt oder den größten Zahnkranz
    • In diesem Fall ist die Begrenzung für das Schaltwerk oder den Umwerfer zu eng eingestellt. Um die Fahrrad Gangschaltung zu reparieren, sollte die Begrenzung für das Schaltwerk erweitert werden. Dazu einfach die L-Schraube am Schaltwerk etwas herausdrehen. Um die Begrenzung für den Umwerfer herauszunehmen, einfach am Umwerfer die H-Schraube etwas herausdrehen.
  • Die Kette fällt übers größte Kettenblatt oder den größten Zahnkranz hinaus
    • Fällt die Kette über den größten Zahnkranz oder das größte Zahnblatt hinaus, lässt sich die Gangschaltung am Fahrrad ebenfalls reparieren. Hier liegt das Gegenteil vom vorigen Fall vor: Das Umschaltwerk oder der Umwerfer sind nicht stark genug begrenzt. Um diesen Fehler zu beheben können Sie am Schaltwerk die L-Schraube und am Umwerfer die H-Schraube hineindrehen.
  • Die Kette schaltet sich nicht auf das kleinste Kettenblatt/den kleinsten Zahnkranz
    • Lässt sich die Kette nicht auf den kleinsten Zahnkranz schalten, ist die äußere Begrenzung für das Schaltwerk zu gering. In diesem Fall können Sie am Schaltwerk die H-Schraube etwas herausdrehen. Am Umwerfer muss entsprechend die L-Schraube etwas herausgedreht werden, bis die notwendige Begrenzung erreicht ist.
  • Die Kette fällt beim Schalten über das kleinste Kettenblatt oder den kleinsten Zahnkranz hinaus
    • In diesem Fall ist ebenfalls die äußere Begrenzung für das Schaltwerk falsch eingestellt. Sie muss enger konfiguriert werden. Dazu können Sie die H-Schraube am Schaltwerk etwas hineindrehen. Am Umwerfer muss die innere Begrenzung durch Hineindrehen der L-Schraube verstärkt werden.

HINWEIS: Die meisten Hersteller bezeichnen die Einstellschrauben am Schaltwerk und Umwerfer mit H und L. H steht für high, L für low. Beide Angaben beziehen sich auf die Geschwindigkeit. Für eine hohe Geschwindigkeit (high) muss die Kette auf dem Kettenkranz auf einem kleinen Ritzel laufen. Für eine geringe Geschwindigkeit (low) auf einem großen Kranz. Auf den vorderen Kettenblättern ist es genau umgekehrt.

 

Resümee

Von Zeit zu Zeit muss die Schaltung am Fahrrad eingestellt werden. Das ist leichter, als es auf den ersten Blick scheint. Bei einer Kettenschaltung ist es wichtig, das Schaltwerk und den Umwerfer der Kette nach innen und außen korrekt zu begrenzen. Über die Zugspannung lässt sich die korrekte Ansprache der Schaltung einstellen. Bei einer Nabenschaltung muss gegebenenfalls von Zeit zu Zeit nur die Zugspannung korrigiert werden.

 

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