fahrrad blog der wertgarantie

Alles rund ums Rad.
Unser Fahrrad-Blog.

Wann ist mein Fahrrad verkehrssicher?

27.09.2019

Mit einem verkehrssicheren Fahrrad  gut gerüstet für den Straßenverkehr (Foto: adobe.stock.com)

 

In der Straßenverkehrszusatzordnung ist für verschiedene Fahrzeugtypen genau festgeschrieben, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, damit sie am Straßenverkehr teilnehmen dürfen. Erfüllen sie die Bedingungen, gelten sie als verkehrssicher. Das gilt auch für Fahrräder. Doch wann ist ein Fahrrad verkehrssicher? Welche Bußgelder drohen , wenn das Fahrrad die Kriterien nicht erfüllt? Und warum ist Verkehrssicherheit überhaupt so wichtig?

 

Was macht ein Fahrrad verkehrssicher?

Radfahrer sind im Straßenverkehr größeren Gefahren ausgesetzt als beispielsweise Autofahrer. Ein wichtiger Schutz ist daher ein verkehrssicher ausgestattetes Fahrrad. Denn nur, wer im Straßenverkehr gut sichtbar ist, zuverlässig bremsen und sich bemerkbar machen kann, ist zum einen selbst gut geschützt und gefährdet außerdem keine anderen Verkehrsteilnehmer. Beides sind wichtige Kriterien für Verkehrssicherheit beim Fahrrad. Doch was genau macht ein Fahrrad verkehrssicher? Welche Voraussetzungen ein Fahrrad zu erfüllen hat, damit es als verkehrssicher gilt und am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen darf, ist in der Straßenverkehrszusatzordnung, kurz StVZO, geregelt.

Die StVZO regelt vor allem drei wesentliche Dinge am Fahrrad:

  1. „Einrichtungen für Schallzeichen“ - womit einfach ausgedrückt eine Fahrradklingel gemeint ist (§ 64a StVZO)

  2. Bremsen (§ 65 StVZO) 3. Beleuchtung am Fahrrad (§ 67 StVZO)

 

Merkmale eines verkehrssicheren Fahrrads

Fahrradklingel

Damit ein Fahrrad als verkehrssicher gilt, muss es über eine „helltönende Glocke“ verfügen. Andere „Einrichtungen für Schallzeichen“ sind nicht zugelassen. Dazu gehören zum Beispiel Handhupen oder Sturmklingeln. Sie sind laut StVZO am Fahrrad grundsätzlich nicht erlaubt.

 

Bremsen

Für die Bremsen an einem verkehrssicheren Fahrrad bleibt die StVZO vergleichsweise vage. Sie schreibt lediglich vor, dass alle Fahrzeuge eine ausreichende Bremse haben müssen, die sich während der Fahrt leicht bedienen lässt und die die Fahrbahn nicht beschädigt. Speziell für Fahrräder gilt, dass sie zwei voneinander unabhängige, funktionsfähige Bremsen haben müssen. Mit einer Vorder- und einer Hinterbremse ist diese Bedingung erfüllt. Es spielt dabei keine Rolle, um welche Art der Bremse es sich handelt. In Frage kommen somit:

 

  • Scheibenbremsen
  • Felgenbremsen
  • Trommelbremsen
  • Rücktrittbremsen
  • Klotzbremsen

 

Heutzutage sind Scheiben- und Felgenbremsen am häufigsten verbaut. Klotzbremsen sind nur noch an sehr alten Fahrrädern zu finden und sind eher die Ausnahme. Welche Bremsen sich auch am Rad befinden: Fahrer sollten im eigenen Interesse immer darauf achten, dass beide Bremsen wirksam und intakt sind.

 

Beleuchtung

Die genauesten Vorgaben macht die StVZO zur Beleuchtung eines Fahrrads. Demnach muss ein Fahrrad in jedem Fall ausgerüstet sein mit:

 

  • Vorder- und Rückscheinwerfern
  • Verschiedenen Reflektoren

 

Scheinwerfer dürfen fest am Fahrrad montiertoder abnehmbar sein, mit einem Dynamo oder mit Batterien oder Akkus betrieben werden. Auch Kombinationen aus Dynamo und Batteriebetrieb sind zulässig. Diese Regelung ist vergleichsweise neu. Lange Zeit galten abnehmbare, batterie- oder akkubetriebene Scheinwerfer als unzulässig. Das ist inzwischen nicht mehr der Fall.

Vorderscheinwerfer beim Fahrrad müssen ein weißes Licht produzieren, die Schlussleuchte muss ein rotes Licht erzeugen. Vorderscheinwerfer dürfen in verschiedenen Helligkeitsstufen wie Abblendlicht, Fernlicht, Tagfahrlicht oder Standlicht betrieben werden. Einzige Bedingung hierbei: das Licht darf andere Verkehrsteilnehmer nicht blenden. Gerade bei sehr hellen Scheinwerfen ist ein zu hoch eingestellter Scheinwerfer im besten Fall störend, im schlimmsten Fall sogar gefährlich, wenn der entgegenkommende Verkehrsteilnehmer so stark geblendet wird, dass er nichts mehr sieht. Dabei ist die optimale Ausrichtung gar nicht so schwer: Stellen Sie Ihr Rad etwa 5 Meter vor eine Wand und markieren sie auf der Wand zum Beispiel mit einem Klebestreifen die Höhe, in der Ihr Scheinwerfer am Rad angebracht ist. Als nächstes halten Sie Fahrrad gerade (nicht den Ständer benutzen) und lassen Ihren Scheinwerfer leuchten. Je nach Beleuchtungssystem muss das Hinterrad ggf. leicht angehoben und gedreht werden. Befindet sich nun die obere Kante des Leuchtkegels leicht unter Ihrer Höhenmarkierung an der Wand, ist der Scheinwerfer korrekt eingestellt. Befindet er sich darüber, wird er andere Verkehrsteilnehmer blenden, befindet er sich darunter wird ihr Weg nicht genug ausgeleuchtet. In den letzten beiden Fällen gilt es, nachzujustieren.

 

Mit dem Fahrrad auf der Straße
Verkehrssicheres Fahrrad bedeutet auch, eine funktionierende Beleuchtung und korrekte Ausrichtung des Scheinwerfers.

 

Neben aktiven Lichtquellen, die selber Licht produzieren, sind am Fahrrad auch noch verschiedene passive Elemente vorgeschrieben. Dabei handelt es sich um Reflektoren, auch als Rückstrahler oder umgangssprachlich „Katzenaugen“ bezeichnet. Sie produzieren selber kein Licht, sondern reflektieren es lediglich. Die StVZO schreibt vor:

• Weißer Reflektor vorne

• Roter Reflektor an der Rückseite, er darf nicht dreieckig sein und muss der Kategorie „Z“ entsprechen.

 

Beide Reflektoren dürfen mit dem jeweiligen Scheinwerfer in einem Bauteil kombiniert sein.

Darüber hinaus schreibt die StVZO weitere Reflektoren vor:

 

• Jeweils zwei gelbe Reflektoren an Vorder- und Rückseite jedes Pedals

• Seitlich wirkende Reflektoren an Vorder- und Hinterrad. Dabei sind drei verschiedene Varianten möglich:

  1. Je Rad mindestens zwei gelbe Speichenrückstrahler, die im 180-Grad-Winkel zueinander angebracht sind.

  2. Durchgehende Reflektorbänder in den Seitenwänden des Reifens oder in der Felge.

  3. Reflektierende Speichen

 

Alle drei Varianten dürfen miteinander kombiniert werden.

 

Ausnahmen für Kinderfahrräder

Kinderfahrräder gelten als Spielzeug. Sie dürfen ausschließlich unter Aufsicht der Eltern auf privaten Geländen und auf Fußwegen verwendet werden, solange andere Verkehrsteilnehmer dadurch nicht gefährdet werden. Aus diesem Grund müssen Kinderräder nicht zwingend verkehrssicher sein. Sobald Kinder am Straßenverkehr teilnehmen, muss das Kinderrad aber verkehrssicher sein.

 

Auf einen Blick: Checkliste für ein verkehrssicheres Fahrrad

Zugegeben, die Vorschriften für ein verkehrssicheres Fahrrad sind in der StVZO ziemlich sperrig beschrieben. Daher hier noch einmal alle Elemente für ein verkehrssicheres Fahrrad auf einen Blick zusammengefasst:

• Helltönende Fahrradklingel

• Zwei voneinander unabhängige Bremsen

• Weißer Scheinwerfer vorne, batterie-, akku-, dynamo- oder kombiniert betrieben. Darf nicht blenden und kann abnehmbar oder fest montiert sein.

• Weißer Reflektor vorne, darf mit Scheinwerfer kombiniert sein

• Rotes Rücklicht hinten, batterie-, akku-, dynamo- oder kombiniert betrieben. Darf abnehmbar oder fest montiert sein. Standlicht- und Bremslichtfunktion sind zulässig.

• Roter Reflektor Kategorie „Z“ hinten, darf mit Rücklicht kombiniert sein

• 2 gelbe Reflektoren je Pedal • Seitenreflektoren an Vorder- und Hinterrad – wahlweise:

  o 2 gelbe Reflektoren je Rad, 180 Grad versetzt zu einander

  o Reflektierende Speichen

  o Umlaufendes reflektierendes Band in Reifenseitenwänden oder Felgen

 

Darüber hinaus empfiehlt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) für ein verkehrssicheres Fahrrad als weitere sinnvolle, aber nicht vorgeschriebene Elemente:

• Kettenschutz

• Standlichtanlage oder -funktion bei der Beleuchtung

• Schutzbleche

• Stabiler Gepäckträger

• Hochwertiges Schloss

 

Gibt es ein Bußgeld, wenn das Rad nicht verkehrssicher ist?

Bei Verstößen gegen die StVZO drohen Bußgelder. Das gilt auch für Radfahrer, wenn sie mit einem Fahrrad unterwegs sind, das nicht verkehrssicher ist. Der Bußgeldkatalog sieht Bußgelder im Bereich von 20 bis 35 Euro vor. Verglichen mit anderen Bußgeldern, die im Straßenverkehr verhängt werden können, ist das noch vergleichsweise gering. Bei einem nicht verkehrssicheren Fahrrad drohen jedoch deutlich schwerwiegendere Konsequenzen. Ist ein nicht verkehrssicheres Fahrrad in einen Unfall verwickelt, kann es von der Polizei beschlagnahmt werden. Wurden darüber hinaus bei einem Unfall mit einem nicht verkehrssicheren Fahrrad weitere Verkehrsteilnehmer geschädigt, muss der Radfahrer Schadensersatz leisten. Privathaftpflichtversicherungen fordern in solchen Fällen außerdem oft Regress.

 

Resümee

Die StVZO regelt genau, welche Voraussetzungen ein verkehrssicheres Fahrrad erfüllen muss. Das betrifft neben der Klingel die Bremsen und die Beleuchtung eines Fahrrads. Im Interesse der eigenen Sicherheit sollten Radfahrer immer darauf achten, dass ihr Rad verkehrssicher ist. Wer sein Rad regelmäßig in einer Werkstatt durchsehen lässt, ist meist auf der sicheren Seite. Beim Kauf von relevanten Fahrradteilen sollten Radfahrer darauf achten, dass die Teile gemäß StVZO zugelassen sind.

 

Das könnte Sie auch interessieren:

GPS-Tracker fürs Fahrrad: So haben Sie Ihr Bike im Blick

Fahrrad geklaut – wie müssen Sie vorgehen?

Die FahrradPass-App für Android- und iOS-Geräte