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Der Kardanantrieb – die alternative Antriebsart für Fahrräder

08.11.2018

Nach unserem Artikel zum Riemenantrieb als Alternative zum Ketttenantrieb möchten wir hier eine weitere Möglichkeit vorstellen: den Kardanantrieb. Für Motorräder gibt es diese Technologie schon länger, aber macht sie auch für Fahrräder Sinn? Um diese Frage ausgewogen zu beantworten, konzentrieren wir uns hier maßgeblich auf Sicherheits- und Wartungsaspekte.

 

Die Geschichte des Kardanantriebs

Wie bei vielen anderen Innovationen im Bereich Fahrrad muss auch hier gesagt werden, dass die Idee nicht ganz neu ist: Bereits um 1900 wurden Kardanantriebe eingesetzt. Schon damals wurde als Argument verwendet, dass dadurch die Kleidung geschont würde. Allerdings brachten die gusseisernen Vorrichtungen ein erhebliches zusätzliches Gewicht mit sich. Als später Gangschaltungen auf den Markt kamen und sich nicht mit einem Kardanantrieb kombinieren ließen, verschwand diese Technologie vorerst in der Versenkung.

 

Kardanantrieb versus Kettenantrieb

Laut Herstellerangaben erfordert der Antrieb mit Kardanwelle einen im Gegensatz zum Kettenantrieb geringeren Wartungsaufwand, nur einmal im Jahr soll via Schmiernippel geschmiert werden. Ein Kardanantrieb ist sehr stabil und Anbieter gewähren bis zu 10 Jahre Garantie für dieses Bauteil. Solche Garantien gibt es bei einer Kette nicht, sie ist ein Verschleißteil und muss regelmäßig ersetzt oder zumindest nachgespannt werden. Zudem kann eine Kette reißen oder während der Fahrt abspringen, was unter Umständen zu bösen Stürzen führt. Der Wirkungsgrad beim Kardanantrieb soll laut Herstellern stabil bei 96 % liegen. In diesem Punkt hätte die Kette zumindest anfangs die Nase vorn: Sie hat einen Wirkungsgrad von 98 %, dieser verringert sich aber mit fortschreitendem Verschleiß.

 

Geräuschentwicklung und Hosenschutz

Welcher Antrieb ist leiser? Eindeutig eine gut gepflegte Fahrradkette. Wird diese zu laut, muss sie gereinigt und sorgfältig geschmiert werden. Der Kardanantrieb ist immer gleich laut. Doch wie sieht es mit dem Schmutzfaktor aus? Der Kardanantrieb ist generell gekapselt und berührt die Hose des Fahrenden somit nicht. Das ist bei einem Kettenantrieb in der Regel anders, nur ein Teil der Fahrer nutzt einen Kettenschutz. Das Wechseln des Hinterrads ist bei beiden Antriebsarten gleich aufwändig. Allerdings wird man beim Kettenantrieb gelegentlich die ölige Kette berühren müssen, was beim Kardanantrieb entfällt. Hat ein Kardanantrieb also lediglich Vorteile? Nicht so ganz, denn zwei wichtige Gesichtspunkte wurden bislang noch nicht besprochen: das Gewicht und die Anzahl der schaltbaren Gänge.

 

Hat der Kardanantrieb überhaupt Nachteile?

Obwohl seit 1900 materialtechnisch beträchtliche Fortschritte gemacht wurden, ist der Kardanantrieb noch immer schwerer als der Kettenantrieb. Wer zusätzliches Gewicht als belastend empfindet, wird keine Freude am Kardanantrieb haben. Inzwischen ist die Kombination eines Kardanantriebes mit einer Nabenschaltung am Markt erhältlich. Diese Schaltung kann immerhin bis zu acht Gänge schalten, allerdings verfügen Kettengangschaltungen häufig über 27 Gänge.

 

Anwendungsmöglichkeiten für den Kardanantrieb

Für wen kommt dieser alternative Antrieb in Frage? Die Vorteile liegen eindeutig in der Wartungsarmut und der Zuverlässigkeit des Antriebs. Das Befahren hügeliger Strecken hingegen ist wesentlich unkomfortabler als beim Kettenantrieb. Besitzer von Falträdern mit Kardanantrieb profitieren davon, dass sie ihr Rad schnell zusammenklappen können, ohne mit der Kette in Berührung zu kommen. Außerdem sind solche Falträder ausgesprochen robust und der gekapselte Antrieb verhindert ein Beschmutzen der Kleidung.
E-Bikes und Pedelecs wären eine weitere Anwendungsmöglichkeit für den Kardanantrieb, denn das höhere Gewicht und eventuelle Leistungsverluste ließen sich mit Hilfe der E-Unterstützung ausgleichen. Hier wäre der Kardanantrieb also eine interessante Variante.

 

Kardanantrieb oder Riemenantrieb?

Laut Herstellern haben auch Riemenantriebe einen geringen Wartungsaufwand. In diesen Artikeln können Sie sich über die Möglichkeiten des Riemenantriebs informieren:

 

Riemenantrieb versus Kettenantrieb

 

Kann man einen Kardanantrieb nachrüsten?

Leider funktioniert ein Nachrüsten nur bedingt. Die Anforderungen an Gangschaltung und Tretlager schließen viele Fahrräder davon aus.

 

Resümee

Die zahlreichen Vorteile des Kardanantriebs schlagen sich in einem etwas höheren Gewicht und weniger schaltbaren Gängen nieder. Für diejenigen, die etwas Besonderes für ihr City-Bike suchen, kann diese Technologie durchaus interessant sein.

 

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